23.10.2014

Kein erhöhtes Unfallrisiko für E-Bike-Fahrer

Wenn die Unfallforschung der Versicherer UDV in der Vergangenheit etwas zum Thema Pedelecs veröffentlichte, so waren diese Veröffentlichungen vorrangig von der Sorge geprägt, E-Bikes würden ein höheres Unfallrisiko bergen. Hintergrund war die Vermutung, dass durch Pedelecs verstärkt Personen wieder mobil würden, die sonst auf Grund von körperlichen Einschränkungen kein Fahrrad nutzen. Dies brachte die UDV in Zusammenhang mit einem erhöhten Unfallrisiko.
Nun haben die Unfallforscher eine Studie gemeinsam mit der Universität Chemnitz veröffentlicht, die untersuchte, ob es durch die potenziell höheren Geschwindigkeiten, die E-Bikes erreichen können, tatsächlich häufiger zu Unfällen kommt.

Dazu wurden Sensoren und Kameras an den Zweirädern von insgesamt 90 Teilnehmern im Alter von 16 bis 83 Jahren installiert. Davon waren 30 Fahrradfahrer, 60 Pedelec-Fahrer und 10 S-Pedelec-fahrer. Über einen Zeitraum von 4 Wochen wurde das Fahrverhalten der Teilnehmer aufgezeichnet.

Das Ergebnis der Studie ist für die Pedelec-Nutzer erfreulich. So heißt es zusammengefasst auf dem Seiten der UDV:

  • Pedelec werden gegenwärtig vor allem von älteren Personen gefahren.

  • Pedelec und Fahrräder werden in ähnlichem Umfang und zu ähnlichen Zwecken eingesetzt. Lediglich bei den S-Pedelec Fahrern dominieren stärker die Arbeitswege.

  • S-Pedelec-Fahrer erreichen statistisch signifikant höhere Durchschnittsgeschwindigkeiten, als Fahrrad- und Pedelec-Fahrer. Pedelec-Fahrer sind im Mittel ebenfalls statistisch signifikant schneller unterwegs als Fahrradfahrer. Der Unterschied ist allerdings nicht sehr groß. Sie scheinen die Motorunterstützung in erster Linie einzusetzen, um dem Fahrrad ähnliche Geschwindigkeiten mit geringerem Aufwand zu realisieren.

  • Die Fahrgeschwindigkeit der S-Pedelec- als auch der Pedelec-Fahrer variiert jedoch stärker als die der Fahrradfahrer.

  • Alle drei Zweiradtypen erleben ähnlich häufig kritische Situationen im Straßenverkehr. Auch die höhere Durchschnittsgeschwindigkeit von S-Pedelec-Fahrern führt zu keiner Häufung von kritischen Situationen.

  • Am häufigsten werden für alle drei Zweiradtypen Konflikte im Längsverkehr, Einbiegen-/Kreuzen- oder Abbiege-Konflikte beobachtet. Entsprechend der Exposition ereignen sich die meisten Konflikte mit Pkw, gefolgt von Fußgängern und Fahrrad- bzw. Elektrofahrradfahrern. Dahinter verbergen sich typischerweise Vorfahrtsmissachtungen bzw. Auspark- oder Wendemanöver der Pkw sowie Querungen, das Vorauslaufen oder Entgegenkommen von Fußgängern bzw. anderen Radfahrern. Das Konfliktgeschehen von Pedelec- und S-Pedelec Fahrern entspricht damit dem klassischen Radunfallgeschehen.

Der Vergleich von Fahrräder und Elektrofahrrädern zeigte, dass Elektrofahrräder per se keinem erhöhten oder anders gelagertem Sicherheitsrisiko als Fahrräder unterliegen. Die potenziell höheren Geschwindigkeiten werden vor allem von S-Pedelec-Fahrern realisiert, während für Pedelec Fahrer der erhöhte Komfort im Mittelpunkt steht.

Die vollständige Studie kann hier als PDF heruntergeladen werden.

Quelle: www.udv.de/de/mensch/radfahrer/fahrzeug/pedelec/neues-risiko-pedelec-eine-fahrverhaltensstudie