12.08.2015

ADFC übt harsche Kritik an Verkehrsminister Dobrindt

Die Geduld des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) mit dem Ministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) ist offenbar erschöpft. In ungewöhnlicher Offenheit kritisiert der stellvertretende ADFC Bundesvorsitzende, Ludger Koopmann, den Minister als „Zukunftsverweigerer“, weil er die Stellung von Deutschland als führende „Autonation“ zu verteidigen versuche und die Elektromobilität nur als Elektroauto kenne. Dabei habe sich Bundeskanzlerin Angela Merkel im Wahlkampf 2013 eindeutig positioniert mit dem Satz „Das Fahrrad muss zu dem urbanen Verkehrsmittel des 21. Jahrhunderts entwickelt werden“ und im Koalitionsvertrag steht: „Wir wollen den Radverkehrsanteil erhöhen“.

Der ADFC Bundesvorsitzende Ulrich Syberg unterstreicht die Kritik mit den Worten: „Verkehrsminister Dobrindt hat in seinen fast zwei Jahren Amt nichts für das Fahrrad getan. Wenn er das Wort „Fahrrad" nutzt, dann nur im Zusammenhang mit dem Helm. Sein Auftrag lautet aber, den Radverkehrsanteil zu erhöhen. Hier scheinen ihm die Ideen und die Worte zu fehlen.“ Welche Themen dem Minister wirklich wichtig sind, lässt sich auch an der Auswahl seiner öffentlichen Auftritte erkennen. Während sein Ministerium im Rahmen des Nationalen Radverkehrsplans im Mai 2015 in Potsdam den „Nationalen Radverkehrskongress“ veranstaltete, hat der Minister seine Teilnahme daran abgesagt – für eine Autobahneröffnung.

Bei aller Verärgerung des ADFC über die Haltung von Minister Dobrindt, bleibt der Verband dennoch gesprächsbereit. Dazu Ulrich Syberg: „Wenn dem Minister die Worte zum Radverkehr fehlen – wir sind da gerne behilflich und unsere Gesprächsangebote stehen nach wie vor“.