Vorträge

Die Plenarvorträge am Nachmittag des ersten Kongresstages befassen sich mit den Aspekten des Radverkehrs, die derzeit heiß diskutiert werden: Radverkehr als essenzieller Bestandteil der Verkehrswende, einem Vergleich der tatsächlichen gesellschaftlichen Kosten von Rad und Auto und der Frage, mit welcher Radverkehrsstrategie man am besten zum Ziel kommt.

Stefan Gössling | Linnaeus Universität (School of Business and Economics), Lund Universität (Department of Service Management)

Profit durch Radverkehr - Ein Vergleich der volkswirtschaftlichen Kosten von Fahrrad und Auto

Politikern aller Couleur dürfte einleuchten, dass wir insbesondere in den Ballungs-
räumen mehr Radverkehr brauchen, um der zunehmenden Enge im Verkehr zu begegnen und assoziierte Probleme des MIV - Unfälle, Lärm, Feinstaubbelastung -
zu begrenzen. Der Ausbau von Fahrradinfrastruktur wird jedoch häufig aus Kosten-
gründen abgelehnt. Der Vergleich der Kosten und Nutzen von Fahrrad- und Autoverkehr kann hier neue Argumente liefern. Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass ein mit dem Fahrrad zurückgelegter km grundsätzlich einen gesellschaftlichen Nutzen hat, während ein Autokilometer gesellschaftliche Kosten verursacht, die nicht durch Steuern und Abgaben gedeckt sind. Dies liegt vor allem an der besseren Gesundheit von Radfahrenden. Im Vortrag wird eine aktuelle Berechnung zur Höhe der Kosten (Auto) im Vergleich zum Nutzen (Fahrrad) vorgestellt. Aus den Daten ergibt sich ein sehr deutliches volkswirtschaftliches Argument für den Ausbau von Fahrradinfrastruktur.

Hier können Sie die genauen Daten und Fakten nachlesen, hier gibt es den Vortrag zum Nachhören.

Winfried Hermann | Minister für Verkehr in Baden-Württemberg

„Fahrradpolitik im Autoland – die strategische Radverkehrspolitik in Baden-Württemberg“

Im Jahr 2002 lag der Radverkehrsanteil in BW bei nur 7%, sechs Jahre später erreichte er gerade mal 8%. „Da geht mehr“ war die Landesregierung überzeugt und nach entsprechender Vorarbeit wurde im Januar 2016 die „RadSTRATEGIE Baden Württemberg“ vom Landeskabinett verabschiedet. Damit wurde die konzeptionelle Grundlage für die Radverkehrsförderung bis 2025 geschaffen, die acht Handlungsfelder umfasst und damit breit und nachhaltig angelegt ist. So wird der Radverkehr über alle Landesministerien und über alle gesellschaftlichen Bereiche hinweg gedacht. Das Ziel der Landesregierung ist es, den Radverkehrsanteil bis 2020 zu verdoppeln und bis 2030 auf 20% zu erhöhen. Dabei sieht sich das Land als Partner der Kommunen und unterstützt daher die „Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen in BW“.

Die Förderung des Radverkehrs in einem Flächenland ist eine Herausforderung. Noch dazu in einem Land, dass stark vom Automobil geprägt ist. Wieviel Fahrrad ist in einem Autoland durchsetzbar? Wie kann eine politische Strategie aussehen, die zum Erfolg führt? Wie macht man aus einem Konzept eine breite Bewegung? Welche Akteure müssen mitgenommen werden? Wie begeistert man eine Mehrheit der Bevölkerung für die RadSTRATEGIE? Welche Rolle kann die Landesregierung in Bezug auf Kreise und Kommunen spielen?
In seinem Vortrag präsentierte Verkehrsminister Hermann den strategischen Ansatz Baden-Württembergs. Dabei berichtete er über aktuelle Zwischenergebnisse und die nächsten Schritte. Er reflektierte aber auch über die politischen und psychologischen Prozesse, die notwendig waren und sind, das ehrgeizige Konzept im Land zu verankern. Weiterhin ging er auch der Frage nach, welche Rolle des Bundes für eine erfolgreiche Radverkehrsförderung zielführend wäre und was seine Erwartungen an die neue Bundesregierung sind.

Hier sein Vortrag zum Nachlesen, eine Audiofassung kann hier heruntergeladen werden.

Michael Adler | Geschäftsführender Gesellschafter tippingpoints

Klarmachen zur Wende

Ohne eine Einbindung des Verkehrssektors kann die Energiewende in Deutschland nicht funktionieren. Aber sie ist mehr als nur ein Softwareupdate. Wir brauchen den Blick aufs Ganze, um moderne Mobilität in Deutschland zu verwirklichen: Kurze Wege für Fußgänger, ein komplett durchdachtes Netz für Fahrradfahrende - mit genügend Platz auch für E- und Cargobikes, smarte Vernetzungsstationen von Fuß- und Radverkehr zum modernisierten ÖPNV, ein öffentliches Verkehrsangebot, welches autonom fahrende Vehikel und das Sharing von Zweirädern wie Autos in die Mobilitätskette integriert. Wer dann noch individuell Auto fahren will, muss ein passendes Angebot von ressourcensparenden und klimaschonenden Elektrofahrzeugen finden. Um das zu verwirklichen brauchen wir mutige Politik, vorausschauende Unternehmen, innovative Ingenieure und aufgeklärte Bürgerinnen und Bürger, die für Neues bereit sind, die Klimaschutz im Verkehr wollen und engagiert mit den starren Routinen der letzten fünf Jahrzehnte brechen. Der Mobilitätsberater Michael Adler zeigte, wie das funktionieren kann.

Burkhard Stork | Bundesgeschäftsführer Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club e.V. (ADFC)

Radlandjetzt! Wie der Umstieg gelingt

Insbesondere in Städten stehen die derzeitigen Verkehrssysteme vor gewaltigen Umbrüchen. Stau, Luftverschmutzung, Lärm und Platznot machen ein 'Weiterso' unmöglich. Doch welche Alternativen sind denkbar und welche sind wünschenswert? Welche Bedingungen müssen erfüllt sein, damit nicht nur für 6%, sondern für 60% der Menschen das Fahrrad für die kurzen Wege die beste Alternative ist? Burkhard Stork entwarf in seinem Vortrag ein Konzept der lebenswerten Stadt, das Mobilitätsangebote intelligent miteinander verknüpft und zudem Raum schafft für Begegnung und Aufenthalt. Dazu gehören Leihradsysteme genauso wie Radschnellverbindungen, eine sichere und einladende Radinfrastruktur an allen Hauptverkehrsstraßen, verkehrsberuhigte  Quartiere und sichere und flächendeckende Abstellmöglichkeiten.

Hier finden Sie seinen Vortrag zum Nachlesen, hier können Sie ihn anhören.