06.07.2018

Fördert sie, dann fahren sie - RAD!

In Zeiten verstopfter Straßen, dreckiger Luft und einem Verkehrsminister, der sich hauptsächlich um "Sein oder Nichtsein der deutschen Automobilbranche" sorgt, wird die Argumentation für einen substanziellen Ausbau der Radverkehrinfrastruktur nun auch von anderer Seite befeuert:
Die neue Familienstudie der AOK belegt erneut, was Verbände und Ärzte seit Jahren beklagen: deutsche Eltern leiden an Bewegungsmangel, die Konsequenzen sind Übergewicht und eine entsprechend fatale Signalwirkung auf die Kinder. Mehr als die Hälfte der Eltern ist übergewichtig oder gar adipös (bei den Vätern sind es sogar fast 3/4), nur zehn Prozent der Kinder sind so aktiv wie von der Weltgesundheits-organisation empfohlen. Die Gründe dafür liegen neben dem gestiegenen Medienkonsum und dem von Eltern beklagten Zeitmangel auch in der wenig famlienfreundlichen Radinfrastruktur. "Je mehr sichere und nutzerfreundliche Radwege vorhanden sind, desto häufiger schwingen sich Familien gemeinsam auf den Sattel. Konkret in Zahlen: Sind gute Fahrradwege in hohem Maße vorhanden, treten Eltern und Kinder an durchschnittlich 1,6 Tagen pro Woche in die Pedalen, existieren sie nicht, so sind es nur 0,9 Tage im Schnitt. Das entspricht sogar einer Steigerung um 77 Prozent." lautet es in der entsprechenden Pressemitteilung der AOK. Mit der gemeinsamen Forderung der Krankenkasse und dem Deutschen Städte- und Gemeindebund nach einer gezielten Bewegungsförderung unter Berufung auf das Präventionsgesetz melden sich zwei wichtige gesellschaftliche Player in der (leider noch theoretischen) Allianz für einen Ausbau einer sicheren und damit familienfreundlichen Radverkehrsinfrastruktur zu Wort.

PS. Dass auch die Förderung von Lastenrädern, die als familienbewegendes Vehikel steigende Popularität genießen, eine wichtige und gute Idee ist, konnte man jüngst in Berlin erleben: Die Fördersumme des Berliner Senates für private Lastenräder war schon am ersten Tag ausgeschöpft.